Weekly brief

UNTERSCHIEDLICHE CORONA-REAKTIONEN VERSTÄRKEN ÖKONOMISCHE DISPERSION

In den meisten Industrieländern scheint das Virus nun eingedämmt zu sein (oder dürfte es bald sein). Die Risiken einer zweiten Ansteckungswelle und einer kontinuierlichen Ausbreitung des Virus in den Schwellenländern sind nach wie vor erheblich. Dennoch dürften wir die wirtschaftliche Talsohle mittlerweile durchschritten haben, da die Lockdown-Maßnahmen in den meisten Ländern schrittweise gelockert werden. Allmählich zeichnen sich die tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen der ersten Ansteckungswelle ab, doch noch immer herrscht Unklarheit über den Pfad der Erholung (wir erwarten eine deutliche Erholung in den restlichen Maitagen und im Juni, gefolgt von einem mühseligen Aufschwung bis zum Jahr 2021).

 

Die Reaktionen auf den Ausbruch waren, sowohl was das Maß an Vorbereitung als auch den Zeitpunkt und das Ausmaß der Shutdowns betrifft, höchst uneinheitlich. Eine große Gruppe von Ländern entschied sich zur weitreichenden, jedoch kostspieligen Abschottung (nach dem Vorbild Hubeis), während andere versuchten, die negativen Effekte auf Wirtschaft und Gesundheit auszugleichen, was für sie zwar mildere, jedoch auch langwierigere Auswirkungen mit sich bringt (wie etwa in den USA). Es gab noch eine dritte Methode mit breit angelegten Tests und der Ermittlung von Kontaktpersonen, die am besten zu funktionieren schien (siehe Südkorea), jedoch Vorbereitung, Equipment und rasches Handeln erforderte. Auch die geld- und fiskalpolitischen Reaktionen fielen unterschiedlich aus, sowohl hinsichtlich Umfang als auch politischer Ausrichtung. Diese Reaktionen resultierten in unterschiedlichen Konjunktur- und Marktentwicklungen und werden dies auch künftig tun.

 

Während die meisten traditionellen Wirtschaftsindikatoren die enormen Wachstumsschwankungen der einzelnen Länder nicht hinreichend abbilden konnten, erwiesen sich Daten, die die Situation stärker in Echtzeit darstellen (beispielsweise Kohle- und Stromverbrauch, Straßen-/Luftverkehr, Mobilitätsberichte), als zuverlässigere Indikatoren. Unserer Auffassung nach ist die Einschätzung der Aktivität mittels Smartphones besonders aufschlussreich. Die Aktivität in der EU liegt demzufolge etwa 25% unter ihrem normalen Niveau, nachdem sie Anfang April den Tiefpunkt von 55% erreicht hatte. Deutschland, Dänemark und Österreich sind rund 15% von ihrem regulären Niveau entfernt, während Italien, Spanien und Großbritannien noch 40% unter Normalniveau liegen. Frankreich befindet sich indes dazwischen. Und die USA bewegen sich bei etwa 20% unter ihrem regulären Niveau. Hinsichtlich der Aktivität in Asien gibt es große Unterschiede: Südkorea, Hongkong und Taiwan weisen ein nahezu normales Niveau auf, wohingegen Indien und Singapur sich nach wie vor 45% unter ihrem üblichen Niveau bewegen.

 

Im Zuge der Normalisierung der Volatilität und Handelsbedingungen lässt die Dynamik im Großteil der Märkte angesichts einer stärkeren Konzentration auf die Fundamentaldaten nach. Direktionale Geschäfte sind ebenfalls weniger attraktiv. Während die meisten Global-Macro-Manager sich bemühten, von der Erholung bei Anleihen zu profitieren, bevorzugen sie jetzt zunehmend eine relative Positionierung und versuchen, konjunkturelle und marktbezogene Divergenzen auszunutzen. Zwar sind die Auswirkungen und der Marktbeitrag der vielen verschiedenen Konjunkturprogramme ihrer Aussage nach schwierig zu beurteilen, doch sehen sie Arbitrage-Gelegenheiten bei Zinsen und Devisen. Vor allem wird erwartet, dass die Währungsmärkte, die weniger relative Volatilität in Kauf nehmen mussten, die tiefgreifendsten Anpassungen durchmachen werden, insbesondere in den Schwellenländern.

 

Interessanterweise stocken Macro-Manager zunehmend Kernpositionen zu langfristigen Themen auf, wie etwa in den Bereichen Cloud Computing, erneuerbare Energien und Robotik – dies könnte durch die Viruspandemie möglicherweise beschleunigt worden sein.

 

In der Regel schaden größere gesamtwirtschaftliche Wenden in erster Linie top-down-orientierten Anlagestilen. Da insbesondere die nachlaufenden Konjunkturdaten die Realität der Epidemie nicht erfassen konnten, gab es bei Systematic-Macro-Modellen zunächst Schwierigkeiten. Eine erhöhte wirtschaftliche Volatilität und Differenzierung hatte in der Vergangenheit jedoch Phasen einer starken Alpha-Generierung bei Global Macro – mit mehr Risiken, aber auch mehr Chancen – zur Folge. Die abnehmende Korrelation bei den Renditen der Macro-Manager könnte bereits eine größere Tiefe der Handelsgelegenheiten widerspiegeln.