Weekly brief

DIE REAKTIONEN DER HEDGEFONDS AUF DEN TOBENDEN TECH-KRIEG

Um Unternehmen wie Huawei am Verkauf von Geräten in den USA zu hindern, erließ die US-Regierung ein Dekret und nimmt nun das 5G-Netzwerk von Huawei sowie weitere seiner Infrastrukturen ins Visier. Bis zur Umsetzung wurde eine 90-Tage-Frist gewährt. Gleichzeitig wurde die Huawei-Gruppe (und möglicherweise auch Hikvision) vom Handelsministerium der Vereinigten Staaten auf eine schwarze Liste gesetzt, sodass US-Exporteure eine Sondergenehmigung für den Verkauf von Technologieprodukten einholen müssen.

 

Als Reaktion auf diesen Angriff auf Huaweis Umsätze und seine Lieferanten, von denen ein Drittel in den USA ansässig ist, kündigte China Steuersenkungen für Technologieunternehmen an, wodurch auch die Forderung der USA nach einer Kürzung der Subventionen für chinesische Unternehmen infrage gestellt wurde. Wichtige Technologieunternehmen aus den USA dürften bereits begonnen haben, ihre Geschäfte mit Huawei zu reduzieren. Huawei wiederum kündigte an, dass sein eigenes Betriebssystem bis zum Jahresende verfügbar sein werde, falls eine Nutzung der Systeme von Google oder Microsoft unterbunden würde.

 

Selbst wenn die USA sich hinsichtlich der Durchführung flexibel zeigen, werden Technologieunternehmen in einem Klima erhöhter Unsicherheit, in einem Netz aus unklaren und sich ändernden Vorschriften agieren und gleichzeitig gezwungen sein, Alternativpläne aufzustellen. Zudem könnten nichtamerikanische Technologieunternehmen in eine Zwickmühle geraten: einerseits die Drohungen der USA im Zusammenhang mit dem Verkauf von Produkten mit US-Komponenten in China und andererseits das Risiko, den Zugang zum chinesischen Markt zu verlieren. Da China bestrebt ist, technologische Eigenständigkeit zu erreichen, wären US-Technologieunternehmen schließlich mit einem verschärften globalen Wettbewerb und einem schwierigeren Zugang zum chinesischen Markt konfrontiert. Im schlimmsten Fall einer Eskalation im Handels- und Tech-Konflikt könnten schwerwiegendere chinesische Vergeltungsmaßnahmen drohen, einschließlich einer Einstellung der Lieferungen seltener Erden in die USA, die für die Chip-Herstellung unerlässlich sind. Seit Anfang Mai waren die Aktienkurse im Bereich Halbleiter und Hardware am stärksten betroffen. Allerdings sind angesichts der Verflechtungen von Halbleiterchips bis hin zum Internet der Dinge möglicherweise nur wenige Technologiebereiche völlig immun. Zu allem Überfluss urteilte die FTC, dass Qualcomm, ein Top-Player in den Bereichen Chipherstellung und 5G, das Kartellrecht durch unfaire Praktiken bei Patenten und Lizenzgebühren verletzt hatte. Verliert das Unternehmen seine kommenden Berufungsverfahren, könnte sein Kerngeschäftsmodell gefährdet sein, und damit auch seine Kapazitäten im Forschungs- und Entwicklungsbereich sowie seine Fähigkeit, im Innovationswettlauf Schritt zu halten.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen: Da die USA eine Deglobalisierung der Technologiebranche anstreben und ihre nationalen Interessen schützen wollen, herrscht im Technologiesektor Chaos. Unserer Meinung nach sind die L/S-Equity-Manager bei Lyxor mit der plötzlichen Neubewertung technischer Werte bislang gut zurechtgekommen. Nach wie vor sind Kommunikations- und Technologiewerte in den Portfolios dominant, doch etliche Warnungen zu Beginn dieses Jahres bewegten die Manager zu einer Reduzierung der Nettoexposures. Seit der unerwarteten Eskalation im Handels- und Technologiekrieg Anfang Mai bauten sie ihre Technologiepositionen (insbesondere die Halbleiter- und Hardwareaktien) weiter ab, während sie die defensiven Sektoren ausbauten. Während die auf Schwellenländer und China fokussierten Fonds Verluste hinnehmen mussten, war die Belastung für die anderen von uns beobachteten UCITS-Fonds weniger stark, bei einer begrenzten Streuung.